Bezahlung im Fachpraktikum

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Psychodoc
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Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von Psychodoc » 27.05.2008 20:18

Hallo Leute, ich würde gerne mal Eure Meinungen hören, langsam kriege ich das Gefühl dass meine Erwartungen einfach zu hoch sind...
die Frage ist:

Wieviel Bezahlung darf/kann ich im Fachpraktikum erwarten ?

Ich denke immer noch: wenn ich schon für den Praktikumsgeber meinen Wohnort wechsle (muss 2mal nen Umzug, ne neue/teurere Wohnung bezahlen und/oder 5 MOnate lang 2 Wohnungen unterhalten) und diesem Arbeitgeber dann 160 Stunden (oder mehr) im Monat zur Verfügung stehe, dann sollte ich doch wenigstens soviel Geld dafür bekommen, dass ich meine laufenden Kosten (Wohnung,Krankenkasse,Telefon,Handy,Essen,Auto-Fixkosten,bzw. Fahrt zur Arbeit, alternativ Monatskarte) bezahlen kann...) nun finde ich aber folgendes auf der Wiese des Arbeitsmarktes:

Ingenieursbüro aus Hamburg : 600 €
Großer KFZ-Hersteller aus Dresden: 300 €
kleine Dresdner Firma: eigtl. 0 € evtl. 150 €
große Firma in Süddeutschland: 860 €

Wieviel habt ihr so verdient und wo ist die Grenze zur Ausbeutung ?

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AnSi
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Re: Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von AnSi » 28.05.2008 07:37

500€ ist der Richtwert. In der Nähe bewegte sich auch mein Lohn. Bei kleineren Firmen gibts weniger (wie im echten Berufsleben halt). Mit z.B. Kindergeld macht das 650€. Damit lässt sich locker ein billiges WG-Zimmer für 250€+ Internetbeteiligung 15€ + Handyrechnung 30 € + 120 € Verpflegung = 415€ finanzieren. Der restliche Luxus (Auto, Monatskarte, Weggehen etc.) kann sich dann auf 235€ belaufen. Umzugskosten kann man sich sparen, indem man ein weitgehend möbliertes Zimmer nimmt (Wozu Möbel für 1/2 Jahr kaufen?). Wenn du eigene Möbel und eigene Wohnung in DD hast, dann biete diese zur Untervermietung für 1/2 Jahr an. Monatskarte brauchst du im Normalfall auch nicht, wenn du dich auf deinen Drahtesel schwingst. Wenn trotz aller Maßnahmen die Kohle nicht reicht, kannst du das BAföG-Amt bemühen.

Untere Lohn-Grenze wäre bei Umzug für mich 300€ gewesen, ohne Umzug hätte ich mich auch mit 0€ begnügt.

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Re: Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von Hoffi » 28.05.2008 08:34

ich weiß ja nicht wo das Problem liegt wenn du schon ein Angebot für 850€ hast dann nimm das doch an! Unter den Gesichtspunkten die Ansi aufgezählt hat bleibt da soviel übrig das du leben kannst.
Zum anderen solltest du dich glücklich schätzen wenn sie dir überhaupt was geben, denn eigentlich brauchen die mindestens 2-3 Monate bis sie dich so weit haben das du ihnen was bringst! Schließlich werden sich deine praktischen Erfahrungen in Grenzen halten, wenn du natürlich mit ner Berufsausbildung aufwarten kannst und voll der Könner bist, spricht doch nix dagegen zu verhandeln. Also jeder ist seines Glückes eigener Schmied und so wie ich das bis jetzt kenne ist das Praktikum für die meisten eh das Sprungbrett ins Berufsleben!

Achja erwarten kannst du gar nix, frag mal einen Geisterwissenschaftler der muss fast noch was mit bringen!
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Re: Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von LNx » 28.05.2008 09:31

AUDI Ingolstadt 700€
BMW München war glaub ich so um 850€ glaub ich

Im Süddeutschen Raum ist im allgemeinen mehr drin, aber auch die Kosten höher als im Osten.
Hamburg ist ja nicht so wirklich billig, da sind die 600€ eigentlich nicht so viel.

Wenn dir jemand ein Fachpraktikum für 0 - 150€ anbietet, hat er nicht verstanden worum es geht. Das ist Vorpraktikumsniveau.

300€ für Dresden, bei nem großen Hersteller? naja... Ich glaube mich zu erinnern, mir hat jemand erzählt Siemens Chemnitz zahlt 400€. Also in DD würd ich eigentlich von 500€ +-10% ausgehen.

Das Geld ist eine Sache, die andere natürlich deine Aufgaben im Praktikum. Und ob du danach dann gleich deine DA da schreiben willst. Da ist es dann vielleicht nicht so schlecht, wenn Betrieb und Uni nicht ganz soweit auseinander liegen.
Zum anderen solltest du dich glücklich schätzen wenn sie dir überhaupt was geben, denn eigentlich brauchen die mindestens 2-3 Monate bis sie dich so weit haben das du ihnen was bringst!
Kommt natürlich immer ein bischen drauf an, was du machst. Aber ich habe ein Angebot von einem Dienstleister gesehen für ein Auswertprogramm, 44.000€ das war locker in 3 Monaten zu schaffen. Ich weiß das, weil ein anderer Praktikant das ganze neugeschrieben und erweitert hat. In weniger als 3 Monaten. Von daher würde ich es überhaupt sinnvoll finden, die Fachpraktika mit ner Bonusoption zu verbinden. Weil was da teilweise für die Unternehmen bei rauskommt, ist schon gewaltig.

Wenn du dein Praktikum bei einem Unternehmen machst, wo du später auch gerne Arbeiten würdest, kannst du es als Investition in die Zukunft betrachten sonst bringt es dir am Ende im besten Falle halt ein gutes Zeugnis.
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Re: Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von Psychodoc » 28.05.2008 10:05

@Ansi, du gehtst von der Idealvorstellung aus, Kindergeld z.B. bekomme ich nicht mehr.
Alte Wohnung untervermieten...naja, zum einen ist da das Problem, dass dann fremde Leute die Möbel runterwohnen und ich hinterher gegenüber dem richtigen Vermieter für Nebenkosten und Schäden gerade stehen muss, dazu kommt noch, dass ich viel schweres,teures Zeug hier stehen habe, d.h. ich müsste sowieso nen 2*(Sprinter +1Tag Arbeit) investieren.

Ich hab gestern Abend mal so im Kopf meine notwendigen Kosten aufaddiert:
233 € Miete + 15 € GEZ + 9 € Kabelanschluss + 30 € Internet + 7,50 € Handy + 13 € Pflegeversicherung + 95 € Krankenversicherung + 10 € KFZ-Steuer + 15 € KFZ Versicherung +3 € Automobilclub + 25 € Strom)
= 455 € fixe Kosten die sich nur schwer kürzen lassen (ok, ein Großteil der Studenten wird noch BAFÖG und Kindergeld bekommen und ist bei den eltern mitversichert usw... aber mit 25 Jahren endet auch dies...)

Fachpraktikum ist ja eigtl.: "Wenn der bei uns raus ist, schreibt der nur noch seine Diplomarbeit und da er noch ein wenig blauäugig ist und gerade von der Uni kommt, fängt der dann auch bei uns in der Firma an, wenn wir ihm ein Angebot machen"
Klar hängt es stark von der Firma ab, wieviel man da lernt, ich denke aber, dass wir (dank Vordiplom und 4 Semestern Haupstudium) von ein ganz paar Sachen schonmal gehört haben und so binnen kürzester Zeit ein paar Skripte schreiben können oder Simulationen durchführen. Ich gehe nicht davon aus, dass mich die Firma die 5 Monate lang an der Hand streichelt, mich überall rumführt und ich eigtl. keine Aufgabe bekomme.
Nach außen hin verkauft die Firma das was ich gemacht habe für viel Geld an den Kunden und zwar so, als wenn ein Ingenieur diese Arbeit gemacht hätte.


Habt ihr bei Euren Gehältern noch gehandelt oder einfach das genommen was Euch geboten wurde ?
Ich bin ja der Meinung, dass das Angebot dieses großen Automobilherstellers aus Dresden eher ein Abwehrangebot ist... so nach dem Motto: Wieso mehr als nötig zahlen, vielleicht meldet sich ja jemand ;)

Aber da selbst nen Azubi mehr Kohle kriegt oder eine festangestellte Kopier-und-Kaffekochkraft denke ich, dass solche Angebote einfach indiskutabel sein sollten...

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Re: Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von Hoffi » 28.05.2008 10:23

warum bezahlst du 95€ Krankenkasse (privat versichert?).
Das mit dem Fachpraktikum musst du auch mal aus nem anderen Blickwinkel sehen, DU brauchst das Fachpraktikum nicht die Firma!Bloß mal so als Gedankenanstoss und außerdem hast du noch keinen Abschluss und nach dem Abschluss richtet sich die Bezahlung!
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Re: Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von Stormbreaker » 28.05.2008 10:33

1000CHF im Grundpraktikum pro Monat über 8 Wochen + Auslandserfahrung (Horizonterweiterung usw. usf.)
Einen Tag nachdem Bundespräsident Köhler in China war, wird zB der Bau einer Transrapidstrecke über 750km abgesagt. Dieses Jahr, vor wenigen Wochen ist das ThyssenKrupp-Siemens-Konsortium getrennte Wege gegangen. Dies kann und darf nicht sein und genau deshalb nehme ich ab jetzt das Ruder in die Hände!

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Re: Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von Psychodoc » 28.05.2008 10:43

warum bezahlst du 95€ Krankenkasse (privat versichert?).
Ja, genau... und das sind so Dinge die man hinterher nicht mehr ändern kann, weil man sich für die Dauer des Studiums von der gesetzlichen Krankenversicherung befreit... (bzw. ich will auch gar nicht in eine gesetzliche, würde ja auch 47,50 € kosten)

Ja, der Knackpunkt ist, dass wir ein Fachpraktikum machen müssen und das alle Firmen wissen, und eben in der Praktikumsordnung nicht drinsteht: "und das Praktikum muss mit min. 1000 € vergütet werden"

Auf der anderen Seite werden Ingenieure gesucht und gebraucht... und über ein Praktikum kann man sich einfach und sehr günstig den Studienabgänger des nächsten Jahres angeln und ihn schön in die eigene Firma einwickeln ;)


Aber desto mehr wir über sowas reden und wissen was so branchenüblich ist, desto mehr stärkt das einem den Rücken wenn man der Firma dann sagt: Nein, für 300 € mach ichs bei euch nicht, ab 600 € könnten wir drüber reden ;)

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Re: Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von Hoffi » 28.05.2008 11:10

den knackpunkt wird sich nicht ändern, außer der Bund legt ein gesetz dafür an, wo eine mindestvergütung festschrieben wird.
und wie du es beschreibst funktioniert die Wirtschaft und es ist doch dein Recht zu fragen ob du mehr erhalten kannst..
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Re: Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von Tingeltangelbob » 02.06.2008 14:13

Jo, so ca. 600€ Vergütung und 250€ Mietzuschuss ist für den süddeutschen Raum üblich.
Für 0 wäre meine Motivation auch bei 0 gewesen.

Ich würde in den 600-800€ auch die Obergrenze sehen. Wenn jemand mehr bezahlt, steht man denk ich zu sehr unter Druck und hat wenig Gelegenheit, neues zu lernen.

Bei mir wars halt so, dass für die Vergütung schon auch Ergebnisse verlangt wurden, es blieb aber durchaus auch mal Zeit, einen Tag Literaturstudium zu betreiben(natürlich auch für eine Aufgabenstellung) ohne in Zeitdruck zu verfallen. Das bringt ja dann auch einem selbst noch einen (Wissens-)gewinn.

Man bedenke auch, dass der Praktikant meistens Brutto=netto verdient. Wenn man unter dem Gesichtspunkt rangeht, sind 800 schon ziemlich viel.

Verhandelt hab ich persönlich nicht. Mir hat das mehr als ausgereicht.
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Re: Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von Psychodoc » 02.06.2008 21:24

Man bedenke auch, dass der Praktikant meistens Brutto=netto verdient. Wenn man unter dem Gesichtspunkt rangeht, sind 800 schon ziemlich viel.
Wie denn das ?
Werden nicht zunächst Abgaben fällig, die man sich dann mit der Steuererklärung wiederholen muss ?
Oder gibt es eine Möglichkeit sich "freistellen" zu lassen ?

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Hans Oberlander
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Re: Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von Hans Oberlander » 02.06.2008 21:44

Bis 400 Euro Vergütung bezahlt nur der Arbeitgeber Arbeitgeberanteile. Ihn kostet es so etwa 520 Euro. Von 400 bis 800 Euro befindet man sich in einer Gleitzone, in der man sehr geringe Abgaben zu leisten hat.

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Re: Bezahlung im Fachpraktikum

Beitrag von Tingeltangelbob » 02.06.2008 22:44

Als immatrikulierter Student braucht man während einem Pflichtpraktikum keine Sozial- und Steuerabgaben bezahlen, wenn man unter 898,50€ im Monat bei Steuerklasse I verdient.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/verb ... pp/641544/
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