Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Antworten
Benutzeravatar
Scipio
Beiträge: 50
Registriert: 10.12.2008 13:20
Geschlecht: männlich
Studienrichtung: Elektrotechnik
Matrikel: 2008
Angestrebter Abschluss: Dipl-Ing.
Wohnort: Dresden
Contact:

Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Beitrag von Scipio » 10.11.2013 15:28

Hallo Leute,

ich surfe schon seit einiger Zeit durchs Netz und es scheint wohl eine große Kontroverse im Gange zu sein, ob es einen Fachkräftemangel in Deutschland gibt oder nicht. Der VDI behauptet dies schon seit Jahren, auch in vielen Zeitungen wie etwa die "Welt" oder "die Zeit". Im Netz gibt es jedoch reichlich Gegenstimmen, z.B.: auf www.mikrocontroller.net aber auch aus so "super seriösen" Quellen wie der NPD.
Frage: Was haltet ihr davon, gibt es diesem Mangel an Fachkräften (besonders im Bereich der Ingenieurwissenschaften) oder nicht?

Mit freundlichen Grüßen

Scipio

Rums
Beiträge: 150
Registriert: 27.10.2011 21:19

Re: Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Beitrag von Rums » 10.11.2013 16:08

Es gibt keinen flächendeckenden Fachkräftemangel, sondern nur einen Mangel an guter Bezahlung. Leiharbeit, Zeitarbeit und Ingenieurdienstleister sowie der Bachelor-Abschluss beflügeln die nicht-(real)steigenden Löhne (seit ca. 20 Jahren). Es ist doch klar, dass die Leihbuden und Dienstleister ständig nach neuen Mitarbeitern schreien weil dort niemand wirklich arbeiten will(Zwecks Unsicherheit, Bezahlung und 2. Klasse-Verhältnis). Die setzen einfach massiv Stellen in die Jobbörsen und schon legt die für ihre unverfälschten Statistiken bekannte Arbeitsagentur einen "Fachkräftemangel" fest.
Früher war man eben direkt angestellt, heute ist man ausgelagert. Die Arbeit ist nicht verschwunden oder hat sich groß verändert, sie wird bloss extern gemacht und weitaus schlechter bezahlt. Den Unternehmen kann man dabei aber nicht unbedingt die Schuld geben. Die Rot-Grüne Politik hat sich bewusst ab 1998 für genau diesen Weg entschieden.

Weiterführende Literatur:
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2012- ... ingenieure

Benutzeravatar
Hans Oberlander
Beiträge: 2570
Registriert: 19.12.2006 22:22

Re: Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Beitrag von Hans Oberlander » 10.11.2013 16:20

Stimme Rums seiner Argumentation zu.

Benutzeravatar
Scipio
Beiträge: 50
Registriert: 10.12.2008 13:20
Geschlecht: männlich
Studienrichtung: Elektrotechnik
Matrikel: 2008
Angestrebter Abschluss: Dipl-Ing.
Wohnort: Dresden
Contact:

Re: Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Beitrag von Scipio » 11.11.2013 22:50

Na super..... ich hatte eigentlich gehofft nicht bei einer Leiharbeitsfirma zu enden aber so wie es aussieht wird da wohl nix anderes bei rum komm.
Rums hat geschrieben: Den Unternehmen kann man dabei aber nicht unbedingt die Schuld geben. Die Rot-Grüne Politik hat sich bewusst ab 1998 für genau diesen Weg entschieden.
Wieso sollten die Unternehmen keine Schuld tragen? Wenn ich das richtig sehe, ist es immer noch deren Entscheidung ob sie Ing. fest anstellen oder ausleihen oder etwa nicht?

MfG Scipio

Benutzeravatar
Manfred
Beiträge: 27
Registriert: 02.02.2012 19:27
Geschlecht: männlich
Matrikel: 2010
Angestrebter Abschluss: Bachelor
Wohnort: Löbtau

Re: Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Beitrag von Manfred » 01.12.2013 18:05

Hey,

ich hatte mal ein Buch gelesen "Hört auf zu arbeiten". Da geht es auch ein wenig um den Fachkräftemangel. Aufgrund der immer einheitlich werdenden Übereinkunft, dass Quellen immer selterner übersetzt werden, wenn sie in der englischen Sprache verfasst wurden, kann die Arbeit von jedem Menschen erledigt werden, der der englischen Sprache soweit mächtig ist, um zu verstehen, was verlangt wird.

Das Prinzip Arbeitskraft verlagert sich nicht nach außen, sondern folgt dem Prinzip, dass man seine angebotenen Artikel, also die Produkte auch veräußern muss und das geht in einem immer stärkeren Wettbewerb nur, indem man die Kosten drückt. Der eigentliche Kompromiss geht also dahin, dass diejenigen Arbeitskräfte gesucht werden, die die geforderte Arbeit kostengünstig erledigen. Wenn also ein chinesischer Ingenieur behauptet, dass er die Forderungen zu einem geringeren Preis leisten kann, wird dieser zu rate gezogen, anstatt die Arbeitskraft aus dem eigenen Land. Es ist also die Einstellung zur Arbeit selbst und wie man durch sie leben will.

Wenn man sich den deutschen Arbeitsmarkt anschaut, sieht man schnell, dass wir sehr konservativ sind. Technologien und Wissen sind bei uns sehr rückschrittlich. In der Erziehung hinken wir etwa 60 Jahre hinterher und in manchen Technologien stecken wir in den Kinderschuhen, weswegen deutsche Ingenieure dann auch nur Mist produzieren. Dabei bestimmt oftmals der Markt die Nachfrage und wenn der Markt eben mit neue Kühlschränken überfordert ist, die sich übers Internet neue Produkte zukommen lassen, anstatt den Anwender selbst in dne supermarkt zu senden.

Ebenso handelt auch der Arbeitsmarkt davon. Wenn man die Grundzüge einer Volkswirtschaft kennt, weiß man, dass der Arbeitsmarkt nach Angebot und Nachfrage fungiert und entsprechend wird das Angebot in Deutschland bewusst zurückgehalten, um die hohen Löhne zu rechtfertigen, die derzeit gezahlt werden. Dabei muss man jedoch berücksichtigen, dass dort gerade soziale Berufe überlaufen, sind weil sie aufgrund fehlender mathematischen Kenntnissen leicht zu studieren sind. Unterscheidet man den Arbeitsmarkt in Berufe mit mathematische und ohne mathematische Kenntnisse, wird man feststellen, dass die Nachfrage in Ersteren eben noch über dem angebot steckt und wohl auch ewig darüber stehen wird.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Elektroingenieure ebenso ausgeliehen werden, allerdings meist in einem Unternehmen eine Festanstellung finden, wodurch sie höhere Löhne beziehen. Meist ist das Ausland nicht ausreichend gebildet, um die konservativen Lehrmethoden der deutschen Schulen auszugleichen. Insgesamt wirkt das deutsche Volk daher sehr stupide und dumm, während diejenigen, die wirklich klug sind, über dem rest weit abgeschlagen stehen. Wir benötigen allerdings die Technologischenfortschritte, um ein permanentes wirtschafltiches Wachstum zu erlangen, welches uns ermöglicht, überhaupt mit dme Luxus zu leben, den wir derzeit besitzen. Würde das Wachstum stagnieren bzw. sinken, wären auch sofort zahlreiche Jobs in den sozialen Bereichen auf dem Spiel, weil man sehr stark beobachtet, dass gerade das Kunstgewerbe nur aufgrund luxuriöser Lebensweise überlebt. Ebenso sind entsprechend pädagogische, philosophische und psychologische Berufe in Gefahr, wenn das wirtschaftliche Wachstum abbricht.

Gerade in Deutschland wird daher daran festgehalten, dass es manche Berufe und Jobs nur noch gibt, um den Menschen eine Chance zur beruflichen Identifikation geben, weil bei uns das Moto gilt: Wer Arbeit hat, ist in der Gesellschaft. Diese Binsenweisheit stimmt allerdings lange nicht mehr und fügt der Gesellschaft großen Schaden zu. Aufgrund immer größerer Produktivität, schafft ein heutigier moderner Mensch die Arbeitskraft von mehreren Personen der 1950er - 1970er Jahre zu stemmen. Daran sollte man merken, dass die Arbeit heute nicht mehr der Lebensmittelpunkt ist und schon lange nicht mehr dafür reicht, um einem ganzen Volk die Möglichkeit zu geben, einen Job zu erlangen.

Dennoch gibt es einen Mangel an Fachkräften, der allerdings anders dargestellt ist. Die Arbeit ist meist nicht weniger geworden, sondern eine einzelene Person muss teilweise zwei- oder gar dreifach arbeiten, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, weswegen er dadurch Arbeitsplätze vernichtet. In der Elektrobranche ist dies noch nicht ganz so weit fortgeschritten, weswegen sich eher diejenigen Sorgen machen sollten, die in Bildung investieren, die stark überrannt ist. Ein Studium zu bewältigen, kann man eben auf verschiedene Wege und mittlerweile ist es eher eine universitäre Ausbildung, um Arbeitskräfte für die nötigen Arbeitsplätze zu erlangen, als ein wirkliches Studium, wie es früherer Generationen genossen haben. Wer temporär studiert, muss sich in einem oder gar zwei Semestern das Wissen erkämpfen, wozu man in den Anfängen mancher Studiengänge schier ewig Zeit hatte, weil man froh war, dass es überhaupt jemanden gab, der es studiert hat.

Wenn du dir also Sorgen machst, ob du überhaupt einen Job bekommst, kann ich dir sagen, dass jeder, der Arbeit sucht auch Arbeit findet. Jedoch bist du dann auch nur ein besserer Sklave der Gesellschaft, weil du unter Vorstellungen erzogen wurdest, die heute völlig überholt sind. Jedoch ist die Elektrobranche das wachstumsreichste Feld, was die Wirtschaft kennt, weil man sich nur einmal überlegen sollte, wie viel Elektronik heute produziert wird, im Gegensatz zum Beginn, wo über die Mechanik die meisten Gegenstände fungierten.

Sollte dich das Thema wirklich interessieren, wirst du am Ende nicht um ein Wirtschaftsstudium herum kommen, indem dir die Zusammenhänge der Welt offenbart werden.

Ein kleiner Tipp am Rande. Leichter wird es werden, wenn du dich während des Studiums um jegliche Möglichkeit bewirbst in einem Unternehmen unter zu kommen. Sei es als Werksstudent oder das du zu Messen, Veranstlatungen zur Rekrutierung oder sonstigen von Unternehmen zur Personbeschaffung bereitgestelten Veranstaltungen fährst, um dort ein Bein in die Tür zu bekommen. Der Fuß wird heute nicht mehr ausreichen. Stellst du dann fest, dass es ein Interesse an dir gibt, dann würde ich im Studium Gas geben, um in das Unternehmen zu schlüpfen und wenn kein großes Interesse an dir besteht, dehne dein Studium aus, weil auch in der weiteren Zukunft weniger Interesse an dir besteht und werde glücklich mit dir, um vielleicht zufällig auf eine Technologie zu stoßen, die dich im Leben weiterbringt, als nur irgendwo zu arbeiten.

Habe mir mal von einem Soziologen erklären lassen, wo der Unterschied zwischen einem Menschen von 1500 und 2000 ist. 2000 kommt man mit der U-Bahn zur Arbeit. Viel hat sich nicht getan. Außer, dass jetzt viel mehr Leute mit der Bahn zur Arbeit kommen, wenn sie mit dem Flugzeug eingereist sind.

Benutzeravatar
cyrusgolden
Beiträge: 34
Registriert: 13.11.2011 16:57
Matrikel: Ich bin doch kein Student.

Re: Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Beitrag von cyrusgolden » 01.12.2013 23:40

Manfred, das ging leider daneben. Unseren Fachkräftemangel kann man wohl nicht damit begründen, dass uns die Chinesen die Arbeit wegnähmen weil sie billiger seien oder damit, dass heutige Arbeitsplätze zu effizient genutzt würden und damit Arbeitsplätze vernichteten. Beides würde doch die Nachfrage nach Ingenieuren senken!

Übrigens leben wir (zumindest noch größtenteils) nicht in einer Planwirtschaft. Von wem sollen denn bitte Arbeitskräfte zurückgehalten werden? Von wem Arbeitsplätze zur reinen beruflichen Idenifikation der Angestellten bereitgestellt werden?

Statt sich in Pseudowissenschaften zu bilden, haben sich die Meisten hier zu Recht für ein technisches Studium entschieden und können sich von derlei Selbstoptimierung, wie sie in u.a. in deinem Buch gelehrt wird, fern halten.

Kortoffel
Beiträge: 14
Registriert: 12.01.2008 10:35
Geschlecht: männlich
Studienrichtung: Informatik
Matrikel: 2006
Angestrebter Abschluss: Dipl-Ing.

Re: Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Beitrag von Kortoffel » 18.12.2013 11:38

Ich hatte jetzt nicht die Zeit alles vorherige zu lesen. Ich arbeite jetzt seit einem Jahr als Ingenieur und kann sagen, es gibt den Fachkräftemangel. Zumindest gibt es immer viel zu viel Arbeit und viel zu wenig Leute. So sehe ich das bei mir und bei eigentlich allen der ehemaligen Kommilitonen. Die meisten insbesondere kleinere Unternehmen suchen händeringend nach Leuten. (Wobei es bei den Kleinen teilweise auch sehr temporäre ist, weil es von der teilweise schwankenden Auftragslage abhängt.)

Wir brauchen aktuell auf jeden Fall Leute. -> Siehe Anhang.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

tuxianer
Beiträge: 98
Registriert: 20.10.2009 18:47
Studienrichtung: Elektrotechnik
Matrikel: 2009

Re: Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Beitrag von tuxianer » 18.12.2013 13:34

Was sind die denn bereit zu zahlen? Wenn man nur dazu bereit ist, weit unterdurchschnittlich zu vergüten, dann ist klar, dass sich ein "Fachkräftemangel" ergibt.

Kortoffel
Beiträge: 14
Registriert: 12.01.2008 10:35
Geschlecht: männlich
Studienrichtung: Informatik
Matrikel: 2006
Angestrebter Abschluss: Dipl-Ing.

Re: Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Beitrag von Kortoffel » 27.01.2014 18:42

Die zahlen das was man in Dresden im Durchschnitt so bekommt. Wenn man viel Geld verdienen will, muss man zu einem der Großen gehen! Siemens, Automobilhersteller, ... Du hast nach wie vor ein Ost/West Gefälle von etwa 20 %. Und bei kleinen Unternehmen verdient man einfach etwas weniger... Aber flache Strukturen, viel Möglichkeiten sich einzubringen, abwechslungsreiche Aufgaben gleichen das gut aus! Das muss man dann für sich entscheiden bzw. z.B. in einem Praktikum ausprobieren...

danneboom
Beiträge: 14
Registriert: 21.01.2013 14:57

Re: Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Beitrag von danneboom » 11.08.2014 15:12

"Der Arbeitsmarktreport - das Märchen vom Fachkräftemangel"

http://www.daserste.de/information/repo ... l-100.html

Rums
Beiträge: 150
Registriert: 27.10.2011 21:19

Re: Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Beitrag von Rums » 03.04.2015 13:34

Kapuwo hat geschrieben:Tatsache ist jedenfalls, dass in Deutschland seit Jahren immer weniger Kinder geboren werden und dass immer mehr Leute studieren gehen. Irgendwo müssen dann ja mal irgendwann Verluste wahrzunehmen sein.
Was aber nicht zuletzt auch am Doppelten Abiturjahrgang und dem Wegfall des Wehrdienstes liegt. Zudem ist allgemein betrachtet ein "kurzes" Bachelor-Studium wohl für viele zunehmend finanziell besser und machbarer.

Aber an der TUD scheint das nicht so viel auszumachen:
Bild
http://www11.pic-upload.de/03.04.15/ds1mhr4p9v.jpg

Das beudeutet also, dass 2012 (Doppelte Jahrgänge + Wegfall des Wehrdienstes) nur 37 Leute mehr kamen. Und gerade bei uns Ingenieuren muss man ja auch noch den neuen Studiengang RES sehen. Das waren ja auch nicht wenige die angefangen haben ...

Rums
Beiträge: 150
Registriert: 27.10.2011 21:19

Re: Fachkräftemangel, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht?

Beitrag von Rums » 12.04.2015 17:48

Der Fachkräftemangel ist schon wieder vorbei ... :cry:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/f ... 31570.html

Antworten

Zurück zu „Smalltalk“