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Bürgerversicherung oder Pro-Kopf-Pauschale?

Verfasst: 28.05.2008 10:02
von Stormbreaker
Langsam aber stetig bricht unser Gesundheitssystem weiter zusammen. Deswegen fordere ich endlich eine Bürgerversicherung, da die Bundesrepublik das Land der sozialen Marktwirtschaft ist. Warum sollen ehrlich und hart arbeitende Bürger, die einen Nettoverdienst von unter 1000€ haben genauso viel in das Krankenversicherungssystem einzahlen, wie Bürger, die einen Bruttoverdienst von über 4000€ haben?

Um es noch weiter auf die Spitze zu treiben: Meine Schwester verdient netto ungefähr 600€ im Monat. Eine Führungskraft hingegen verdient locker 5000€ brutto im Monat. Warum soll meine Schwester den gleichen Betrag bezahlen wie jemand der tausende (Spitzenmanager), wenn nicht abertausende mehr Geld im Monat zur Verfügung stehen hat?

Ich sage die CDU nennt sich christlich und ich sage die Pro-Kopf-Pauschale ist alles Andere als christlich, denn zu den Werten des Christentums gehören Dinge wie Nächstenliebe, Vergebung usw. usf.

Um wieder zur Politik zurückzukommen: Christentum hin oder her, wer Bürger dieses Staates ist - mag er auf Mallorca oder Gran Canaria, den USA oder sonstwo leben - der darf sich seiner sozialen Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen nicht entziehen.

Denn das ist für mich schon eher Nächstenliebe, wobei ich das Ganze eher politisch sehe und von Religion nichts halte, denn Gott - der ist schon lange tot!

Meine lieben Bürger und Mitbürgerinnen, warum soll sich jemand, der viele, viele tausende Euros verdient, sich einfach dieser Verantwortung entziehen dürfen? Was ist, wenn er sein Geld verspekuliert? Sollen wir ihn dann wieder mit unserem sozialen Netz auffangen, für das er keinen müden Euro übrig hatte?

Darunter verstehe ich Vergebung!

Die CDU hingegen sieht das eher so: Jemand, der 100000€ im Monat zur Verfügung stehen hat, der soll das Gleiche bezahlen wie meine Schwester mit 600€.

So kann es nicht weitergehen in unserem Lande!

MfG, Schwan

post scriptum: Ich fordere umgehend die Einrichtung eines Polls für jedes Mitglied dieses Forums!

Re: Bürgerversicherung oder Pro-Kopf-Pauschale?

Verfasst: 28.05.2008 10:18
von netAction
Nächstenliebe erfordert eine Toleranz und Akzeptanz des Lebens anderer. Dazu gehört, für andere da zu sein, denen es längerfristig besonders schlecht geht. Dazu gehört auch, andere machen zu lassen, was niemanden stört, zum Beispiel dass sie Geld erarbeiten.

Umgekehrt ist es keine Nächstenliebe, anderen ihre Ernte wegzunehmen oder zu zerstören.

Re: Bürgerversicherung oder Pro-Kopf-Pauschale?

Verfasst: 28.05.2008 12:41
von Hoffi
genau find ich auch thomas, besonders wenn man davon ausgeht das ja jeder die selben leistungen haben möchte und da sollten alle schon gleich bezahlen.
Außerdem bin ich der Meinung das es eh da auch Verdienstuntergrenzen gibt.

Re: Bürgerversicherung oder Pro-Kopf-Pauschale?

Verfasst: 28.05.2008 15:30
von Stormbreaker
Wenn es danach ginge, dann würden bald alle unabhängig ihres Verdienstes keinen Steuersatz, sondern einen gleichen festen Betrag bezahlen. Da dies aber sozial ungerecht und unfair ist, gibt es mehrere Steuerklassen - und das obwohl alle den gleichen Staat haben, also die gleiche Leistung was Schule, Bibliotheken, Infrastruktur (Straßennetz, Parks, ...) usw. usf. angeht.

Wer nimmt denn wem welche Ernte weg?
Ich frage: Wieviel muss ein Mensch verdienen, damit er genug zum Leben (Stichwort Deutschland hat die höchsten Managergehälter)hat? Irgendwann reicht mein Einkommen wirklich aus um jedes Produkt im Supermarkt leisten zu können, jede Klamotte bezahlen zu können und selbst am Ende eine Rolex oder Etwaiges tragen zu können.

Ist das dann wirklich Wegnahme einer 'Ernte'? Was macht denn schon so ein kleiner Betrag bei dem hohen Einkommen, welches Manager zB haben, aus? Das sind Peanuts für die, sage ich!

Die deutsche Gesellschaft ist eine Solidargesellschaft - das äußert sich zB durch den Solidaritätsbeitrag. Es gab schon einige, die von ihrem hohen Ross fielen und nun Blumen verkaufen statt ihr Leben bei Pferdewetten und Parties zu verbringen. Wenn diese Menschen fallen, sollen wir sie wieder auffangen.

Die haben dann jedoch nicht in diesen großen Topf einbezahlt, der für alle da ist. Ist das fair?

Re: Bürgerversicherung oder Pro-Kopf-Pauschale?

Verfasst: 28.05.2008 15:41
von Hoffi
hab ich jetzt das thema verpasst, es ging doch um krankenversicherung oder?

Re: Bürgerversicherung oder Pro-Kopf-Pauschale?

Verfasst: 28.05.2008 20:27
von netAction
> Wenn es danach ginge, dann würden bald alle unabhängig ihres Verdienstes keinen Steuersatz, sondern einen gleichen festen Betrag bezahlen.

Die Wertschöpfung eines Staates mit Sozialsystem funktioniert nur zweigleisig, und zwar über die Wertschöpfung des einzelnen im Handel und im Einkommen. Daher haben wir sowohl eine Mehrwertsteuer, als auch Einkommenssteuer.

> Da dies aber sozial ungerecht und unfair ist, gibt es mehrere Steuerklassen
Fairness ist vielleicht Geschmackssache, aber du hast Recht. Es ist menschenrechtlich nicht vertretbar, dass Geringverdiener durch Steuern unter die Armutsgrenze kommen. Das liegt allerdings alleine an den zu hohen und nicht an falsch aufgeteilten Steuerlasten. Denn schon jetzt zahlen 20% der Deutschen 80% der Steuern.

> Was macht denn schon so ein kleiner Betrag bei dem hohen Einkommen, welches Manager zB haben, aus?
Momentan zahle ich 20% Umsatzsteuer in der Firma und vom Rest über 50% Einkommenssteuer. Ich weiß nicht, wo du noch Spielraum siehst. Ich würde sehr gerne ein paar Designer beschäftigen, die ich dringend brauche. Aber dafür reicht das Geld nicht mehr. Eine Steuersenkung würde in meiner Firma unmittelbar zu mehr Arbeitsplätzen führen. Bei einer Steuererhöhung würde ich sicherlich nicht mehr in Deutschland arbeiten. Wenn ich an den Abzug sämtlicher erfolgreicher Unternehmen aus der russischen Besatzungszone in den fünfziger Jahren denke: Da bin ich kein Einzelfall.

> Es gab schon einige, die ... nun Blumen verkaufen statt ... Pferdewetten ... Die haben dann jedoch nicht in diesen großen Topf einbezahlt, der für alle da ist.
Warst du schon jemals bei einem Pferderennen? Wer da mitmischt, kurbelt mit Sicherheit ausreichend die soziale Marktwirtschaft an.

Thomas