Ärztestreik

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Hoffi
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Beitrag von Hoffi » 18.01.2006 09:35

Also ich kann den Großteil der Ärzte nicht verstehen!
Lieber spät als nie!
Ich denke also bin ich..

Ich stand bis zum Hals in der Scheiße,da sprach eine Stimme zu mir:\"Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!\"
Ich lächelte und war froh und es kam noch schlimmer..

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netAction
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Beitrag von netAction » 18.01.2006 14:28

Der Großteil der Ärzte arbeitet im Krankenhaus unter Bedingungen, unter denen ich mich auch benachteiligt fühlen würde.
Der Ruf nach mehr Lohn ist nur der Versuch, wenigstens einen Ausgleich für die Maloche zu bekommen.

Ein normaler Klinikarzt bekommt über sein Gehalt hinaus keinen Cent für seine Leistung. Er profitiert im Gegensatz zur üblichen Meinung nicht davon, wenn ein Privatpatient kommt.
Es gibt auch keine Vergütung von Überstunden, von denen er in der Regel sehr viele macht. Die kann er allerdings teilweise abfeiern.

Die Zahl der behandelten Patienten pro Arbeitsstunde sinkt momentan. Schuld ist unter anderem die Verstaatlichung von Krankenhäusern und Praxen. Eine Privatklinik kann die gleiche Leistung billiger anbieten, weil sich z.B. Verwaltungskosten einsparen lassen. Davon profitieren Ärzte, aber auch alle Krankenkasseneinzahler.

Das allgemeine Medizinstudium und eine ganz normale Facharztweiterbildung, wie sie unbedingt erforderlich ist, dauert mindestens zehn Jahre. Da kann ich es verstehen, wenn ein Arzt dafür ein höheres Gehalt fordert.
Das bekommt er aber spätest dann nicht mehr, wenn er seine Haftpflichtversicherung bezahlt hat.

Also: Lohn nach Tarifvertrag, keine Vorteile durch Zuzahlungen oder Privatpatienten, keine Vergütung der vielen Überstunden, langes Studium, Versicherungskosten, Verschlechterung der Bedingungen durch Verstaatlichung (24h-Dienste).

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Beitrag von LNx » 18.01.2006 16:13

... Also ich weiß ja nich was du für Privatkliniken kennst netAction, aber normalerweise erfolgen die Einsparungen dort
- bei Krankenschwestern/Pflegern und sonstigen Assistenten (Stellenzahl und Gehalt)
- bei Ärzten allgemein, mal Abgesehen von den Chefärzten und teilweise auch den Oberärzten, so in der Größenordnung BAT - 30%, vielleicht sind die Verträge mittlerweile besser, weil denen die Ärzte weglaufen, aber bis jetz wars so

- gewinnbringende Behandlungen, Stichwort: Fallpauschale (Bei gesetzlich Krankenversicherten).
Prinzip: Einmal Blinddarmentfernen ist X Punkte Wert. Entferne den blindarm bei jungen dynamischen Menschen die du 72h nach der OP wieder auf die Straße setzen kannst und du machst Gewinn, entferne ihn bei 70 jährigen die dir aufm OP-Tisch fast wegsterben und 14 Tage liegen und du hast mehr Ausgaben als Einnahmen. Der Rest is BWL, schick die 70jährigen ins nächste \"verstaatlichte\" Klinikum, die werden sie nämlich nicht abweisen und operiere nur die Jungen. Das ist, wenn ich richtig informiert bin, im Moment groß im kommen.

------------------------------------------------------------

Außerdem ist 24h-Dienste etwas irreführend, 36h-Schichten ist zutreffender, wobei davon durchaus mal 16h reguläres OP-Programm sein können.
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Beitrag von Hoffi » 18.01.2006 16:37

für die klinikärzte in nichtprivatkliniken gebe ich dir recht!
aber andere fachärzte machen sich gegenseitig das geld streitig weil es einfach eine überversorgung gibt!
Lieber spät als nie!
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Beitrag von JM Error » 18.01.2006 17:27

Das Problem an dieser Überversorgung ist aber das in einigen Landstrichen Deutschland akuter Ärztemangel herrscht und in Ballungsgebieten(mit vielen Privatatienten) sich die Ärzte gegenseitig auf die Füße latschen.
Wäre das besser verteilt würde das auch klappen, aber welcher arzt geht schon freiwillig in so ein Gebiet! Da kann es passieren (und passiert auch) das manche Stadt zum beispiel nie einen Augenarzt zu Gesicht bekommt.
Und Prämien zum anlocken - woher soll die Stadt solches Geld hernehmen?!?
http://www.flickr.com/people/jm_error/
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Beitrag von Simplimus » 18.01.2006 17:43

Nun, Thema Augenarzt, die Augenärztin in meiner Heimatstadt packt gerade ihre 7 Sachen um nach Spanien zu gehen und dort eine Praxis zu eröffnen. Wer meint, wir hätten keinen Wettbewerb, der ist auf dem Holzweg. Viele angesessene Ärzte gehen auch nach England, weils sich dort mehr lohnt als hier. Aber wenn eine Behörde einem Markt ausgesetzt wird (und ges. Krankenkassen sind nur Behörden) dann geht das schief. Das erleben wir gerade hier.
www.klatti.de.vu
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Beitrag von netAction » 18.01.2006 17:54

@LNx: Ich glaube nicht, dass es die Patienten in Privatkliniken schlechter haben. Und darauf kommt es an, oder?

Dass Privatkliniken schlecht zahlen, ist mir neu. Zumal man eine Privatklinik mit niedergelassenen Ärzten mit Kassenzulassung betreiben kann. Dann besteht überhaupt kein Angestelltenverhältnis.

Zur Fallpauschale: Klar hast Du Recht. An der Stelle glaube ich noch an das Gute im Menschen.

@DauerARTler: JM hat völlig Recht! Versuche mal, einen Termin beim Augenarzt zu bekommen. Und das hat nichts mit der Gegend zu tun.

@JM: Wir reden bisher nicht von Praxen. Das ist eine etwas andere Welt und unterliegt völlig anderen Bedingungen, nämlich denen der Kassen.

Dass Landärzte trotz einiger finanzieller Anreize (Zuschuss für Allgemeinmediziner, Zuschuss für ungewöhnliche Arbeitszeit, große Unabhängigkeit) einfach mangels Coolnessfaktor fehlen, stimmt. Willst Du den Streikern sagen, dass sie doch aufs Dorf gehen sollen, wenn es ihnen nicht paßt?

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Beitrag von JM Error » 18.01.2006 18:13

Wir müssen uns wahrscheinlich damit abfinden das über kurz oder lang sich die 2 klassen Medizin noch mehr verschärft.
Also wer wenig geld hat stirbt früher :-(
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Beitrag von netAction » 18.01.2006 18:47

Das hat wieder nichts mit dem Thema zu tun.
Trotzdem dazu: Wir haben folgende Änderungen in der Gesellschaft:
-Die Menschen werden immer älter und dadurch im Schnitt kranker.
-Die Zahl der Erwerbstätigen sinkt wegen des Alters prozentual.
-Der medizinisch sinnvolle Aufwand pro Diagnose steigt, weil der Fortschritt mehr ermöglicht.
-Die Forderungen nach Behandlungen steigen, besonders im kosmetischen Bereich. Aber auch z.B. durch dicker werdende Menschen.

Es gibt zwei Möglichkeiten der Abhilfe:
-Komplettversorgung wie bisher versprechen und bei leeren Kassen komplett einstellen. Wenn die AOK Geld hat, behandeln die Ärzte alles, was kommt. Ist die Kasse leer, wird nichts mehr behandelt.
Nur die Privatpatienten haben die Sicherheit, dass eine ernsthafte Krankheit behandelt wird.

-Katalog der wichtigsten und sinnvollsten Leistungen erstellen, die von den Kassen bezahlt werden. Moderne, teure Methoden, die Behandlung von Risikopatienten durch eigenes Verschulden (Fressen, Qualmen), oder nur dem Lifestyle dienliche Maßnahmen bleiben einer privaten Zusatzversicherung vorbehalten. Hier hat jeder die Sicherheit, wenn er krank ist, vernünftig behandelt zu werden.

Momentan steuern wir auf Fall 1 zu.

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Beitrag von Hoffi » 19.01.2006 10:29

ok einigen wir uns darauf:
- im großen und ganzen liegt das problem am zusammenspiel von ärzten kommunen krankenkassen kassenärztlichevereinigung und dem Patienten!
weil schau dir das mal an du hast eine Stadt mit etwa 20K einwohnern und fünf stadtteilen in vier stadtteilen gibt es jeweils 2-3Augenärzte was bedeuten würde das ein augenarzt im mittel 2000 patienten hätte!jetzt kommt ein neuer Augenarzt der will unbedingt im fünften stadtteil eine Praxis aufmachen, kassenärztliche vereinigung (gibt die zulassung für praxen raus) sagt nein weil es für die 20k genug augenärzte gibt!
doch die stadt meint in dem stadtteil gibt es noch keinen also muß der dort hin ->das führt meist zu einem Streitfall vorm Sozialgericht,die dann kommen ja die alten menschen, die haben da keinen gibt neue arbeitsplätze steuern... usw.
Sozialgericht sagt ok der darf schon hast du nen arzt mehr der ja auch patienten bekommt,so ist der fall das alle anderen weniger haben und somit weniger geld verdienen, also was soll das!Das andere Problem ist die sache von Doppeluntersuchungen und die Krankenkassen, die dann einfach mal sagen so du arzt du bekommst jetzt nur noch 75% (AOK ist sehr beliebt für sowas)für deine arbeit von uns u andere Krankenkassen bezahlen aber immer noch voll!
Es ist meiner Meinung nach ein Problem unseres Gesundheitssystems!
mfg ein Arztsohn!
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