Werkstoffe

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lemfan
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Werkstoffe

Beitrag von lemfan »

Ist es wirklich so das in den Übungen Anwesenheitspflicht(als Vorrausetzung für die Klausur??) herrscht und Noten vergeben werden?
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MrGroover
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Re: Werkstoffe

Beitrag von MrGroover »

Höchstwahrscheinlich nicht. Laut Diplomprüfungsordnung (DPO) gilt als einzige Voraussetzung zur Teilnahme an einer Prüfung, dass man sich fristgerecht einschreibt. Daneben gibt es noch die Möglichkeit, dass Prüfung A Voraussetzung für Prüfung B ist. Dies ist hier aber nicht zutreffend, da es vor Werkstoffe keine Prüfung gibt, ist ja schließlich erstes Semester. Die Frage ist dann eher, welche Form die Prüfung hat. Hier gibt dann die Modulbeschreibung Auskunft. Für Werkstoffe steht dort drin, dass es eine Klausurarbeit ist. In der DPO wiederum steht, was eine Klausurarbeit ist. Es steht jedenfalls nichts davon drin, dass die Klausurarbeit auch auf Kurztestate oder Anwesenheitspflicht in der Übung erweitert werden darf. In dem Zusammenhang ist auch fraglich, ob Zusatzpunkte für die Klausur durch erfolgreiches Lösen von Übungsaufgaben vergeben werden können.

Allerdings kann ich dir keine rechtsverbindliche Aussage geben, so dass du zumindest mal bei den dafür zuständigen Stellen (Prüfungsamt, Prüfungsausschuss) nachfragen solltest. Wenn du von deren Seite eine Aussage hast, bitte hier bekannt geben. Oder jemand anderes hat dort schon nachgefragt.

Nebenbei, Multiple-Choice Fragen sind jetzt zulässig, war mal eine Möglichkeit, Prüfungen annullieren zu lassen, weil die Profs nicht wussten (oder es ignorierten) solche Aufgabentypen zu verwenden.
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krauthaeuser
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Re: Werkstoffe

Beitrag von krauthaeuser »

Ganz so einfach ist es wahrscheinlich doch nicht. Mir ist zwar kein Urteil aus Sachsen bekannt (wer etwas kennt, bitte melden), aber die "Hallische Studierendenzeitung" berichtet hier

http://hastuzeit.de/2010/anwesenheitspf ... rlesungen/

über eine Interpretation des KM in Sachsen-Anhalt. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die Argumentation auf Sachsen übertragbar ist.

Also:

Anwesenheitspflicht in Vorlesungen -> sicher nicht
Anwesenheitspflicht in Übungen, Laborpraktika, Seminaren -> durchaus möglich, auch wenn nicht explizit im Gesetz oder den Ordnungen erwähnt

Ich kann mir gut vorstellen, dass Gerichte, die ja prinzipiell diese Frage im Streitfall klären müssten, die Anwesenheitspflicht durchaus in Richtung einer Teilnahmepflicht interpretieren würden (rein körperliche Anwesenheit macht ja wohl keinen Sinn). Somit könnte auch eine Leistung in den Übungen abgefragt werden.

Wie schon gesagt: Ich kenne die Spruchlage in Sachsen nicht. Ich freue mich über Rückmeldungen, wenn jemand mehr weiß!

Und abgesehen von der Rechtslage: Meiner Meinung nach kommen Sie ohne aktive Teilnahme an den Übungen nicht durch das Studium.
Prof. Hans Georg Krauthäuser
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Re: Werkstoffe

Beitrag von krauthaeuser »

Ich hab' doch noch was aus Sachsen gefunden und zwar hier

http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.a ... os_dok=201 (Seite 390)

eine Antwort der Staatsministerin auf eine Anfrage aus der SPD. Ich zitiere mal vollständig, da das sicher für viele interessant ist:
Holger Mann, SPD:
Präsenzpflicht in Lehrveranstaltungen sächsischer Hochschulen (Frage Nr. 12)

Im Rahmen der bundesweiten Studierendenproteste wurde von sächsischen Studierenden die Kritik geäußert, dass in einigen Studiengängen die Pflicht zur Anwesenheit in Lehrveranstaltungen als Zulassungskriterium zur Prüfung und Prüfungskriterium (Modul-, Zwischen- und Abschlussprüfung) definiert wird. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund überfüllter Hörsäle und Seminare sachlich zu hinterfragen. Daneben braucht es Rechtssicherheit. In der Muster-Rahmenordnung für Diplomprüfungsordnungen von Universitäten und gleichgestellten Hochschulen von 2000 hat die KMK festgehalten, dass "Teilnahmebescheinigungen [...] keine Studienleistungen" sind. Hieraus lässt sich schlussfolgern, dass der Nachweis der Anwesenheit nicht als Prüfungsvoraussetzung im Sinne des Nachweises von fachlichen Voraussetzungen gefordert werden kann.

Fragen an die Staatsregierung:

1. Welche Auffassung vertritt die Staatsregierung hin-sichtlich der Zulässigkeit, die Anwesenheitspflicht als Zulassungskriterium zur Prüfung oder Prüfungskriterium heranzuziehen?

2. Welche Maßnahmen wird die Staatsregierung ergreifen, um der Kritik der Studierenden in dieser Problematik Abhilfe zu leisten?

Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer, Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst:

Die Führung von Anwesenheitslisten zur Ermittlung, ob Studierende regelmäßig Lehrveranstaltungen, Seminaren o. Ä. beigewohnt haben, ist nur auf freiwilliger Basis zulässig. Insbesondere darf der Nachweis einer regelmäßigen Teilnahme von Studierenden an solchen Veranstaltungen nicht zur Voraussetzung einer Zulassung zu Hochschulprüfungen gemacht werden. Eine etwaige Verankerung solcher Voraussetzungen in Studien- und Prüfungsordnungen wäre nicht zulässig, weil nach der Wesentlichkeitstheorie grundrechtsrelevante Einschränkungen einer gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage bedürfen. Solche Ermächtigungsgrundlagen gibt es im Sächsischen Hochschulgesetz (SächsHSG) nicht. Eine davon abweichende Praxis an sächsischen Hochschulen ist dem SMWK nicht bekannt und würde aufsichtsrechtlich auch nicht mitgetragen.

Die Muster-Rahmenordnung für Diplomprüfungsordnun-gen für Universitäten und gleichgestellte Hochschulen (KMK/HRK 1999) definiert die Teilnahme an Lehrveranstaltungen weder als Studienleistung (S. 32 „Reine Teil-nahmebescheinigungen sind keine Studienleistungen“) noch als Prüfungsvoraussetzung. Der Freistaat Sachsen hatte dieser Muster-Rahmenordnung, an deren Ausarbeitung er maßgeblich beteiligt war, zugestimmt und auf ihre Umsetzung an den Hochschulen geachtet.

Eine Muster-Rahmenordnung für Bachelor- oder Masterstudiengänge gibt es nicht und kann es, bei richtigem Verständnis des europäischen Bologna-Prozesses, auch gar nicht geben. Die sächsischen Hochschulen entscheiden seit 2006 völlig selbstständig über ihre Studien- und Prüfungsordnungen und haben nach Aussagen ihrer für Prüfungsfragen zuständigen Dezernenten keine Regelungen in den Prüfungsordnungen über eine Präsenzpflicht als Prüfungsvoraussetzung getroffen.

Wenn es dennoch zu entsprechenden Äußerungen von Hochschullehrern gegenüber Studierenden gekommen ist, entbehren diese jedenfalls bisher einer rechtlichen Grundlage.
Meiner Meinung nach sollten Sie in Übungen trotzdem anwesend sein UND teilnehmen.
Prof. Hans Georg Krauthäuser
http://tu-dresden.de/et/tet
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